Das Entwicklungsmodell –
ausführlicher beschrieben.

Das Interaktionsgeschehen bei gesunden Kindern und Erwachsenen sowie bei Menschen mit beeinträchtigter Entwicklung und mit auffälligem Verhalten wurde über Jahre beobachtet und analysiert.

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) finanzierte dazu während zehn Jahren mehrere Querschnittuntersuchungen und ein longitudinales Forschungsprojekt (vgl. Affolter & Bischofberger 2007).

Auf der Basis dieser Analysen war es möglich, allgemein gültige Aussagen sowohl zu unauffälliger als auch zu auffälliger Entwicklung und auffälligem Verhalten zu machen. Daraus wurde ein eigenes Entwicklungsmodell erarbeitet. Die Hauptaussagen dieses Entwicklungsmodells lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Entwicklung beruht auf einer Interaktion zwischen Person und Umwelt. Das heisst, dass die Entwicklung einerseits durch die Aktivitäten der Person, andererseits durch andere Menschen und Geschehnisse (Umwelt) beeinflusst wird.

Interaktionsgeschehen begleitet den Menschen sein ganzes Leben lang. Wesentliche Bedingung für angemessene Interaktionen ist die Fähigkeit, Ziele zu verfolgen und mit auftretenden Problemen entsprechend umzugehen. Dabei sind Hypothesenbildungen und eine entsprechende Organisation der Informationssuche, der Wechsel der Informationsart und deren Quellen notwendig.

Das taktil-kinästhetische System (das „Spüren“) hat durch seinen Stellenwert innerhalb der Interaktion und durch seine Beziehung zu anderen Wahrnehmungssystemen eine herausragende und führende Bedeutung für die Entwicklung des Menschen. Die Suche nach gespürten Informationen umfasst zwei Aspekte.

  1. die Informationssuche nach dem WO?
  • Wo bin ich?
  • Wo ist meine Umwelt?
  1. die Informationssuche nach dem WAS?
  • Was geschieht?

Gespürte Interaktionserfahrungen bei alltäglichen Problemlösungen werden als Wurzel der Entwicklung angesehen. Erst eine Ausweitung oder Neuorganisation der Wurzel ermöglicht ein Fortschreiten in der Entwicklung – genauer gesagt das Hervorbringen neuer Entwicklungsleistungen und -stufen. Damit kommt zum Ausdruck, dass kein direkt-hierarchischer Zusammenhang zwischen einfacheren und komplexeren Leistungen bzw. früheren und späteren Entwicklungsstufen besteht.

In diesem Punkt unterscheidet sich dieses Entwicklungsmodell wesentlich von anderen Entwicklungsmodellen (z.B. von Teilleistungsmodellen).

Es wird vielmehr angenommen, dass die Leistungen bzw. Stufen im direkten Zusammenhang mit der Wurzel (gespürte Interaktionserfahrung) stehen. So kommt das Kind im Rahmen einer unauffälligen Entwicklung ab einem gewissen Ausmass an gespürter Interaktionserfahrung zur Auseinandersetzung mit "Geschehnissen" im Alltag. Diese Auseinandersetzung ist für das Lernen und die weitere Entwicklung von grosser Bedeutung.

Geschehnisse, wie sie im Affolter-Modell® beschrieben und verstanden werden, haben einen Anfang und ein Ende (Ziel) sowie eine Reihenfolge zielgerichteter Veränderungen topologischer Beziehungen von Gegenständen, die zum Geschehnis gehören. Innerhalb solcher Geschehnisse gibt es zwingende und nicht-zwingende Veränderungen topologischer Beziehungen (vgl. Hofer et al. 2009).

So werden verschiedenste Störungen – angeborene wie erworbene (z.B. nach Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma) – in Bezug zur Gesamtentwicklung gesehen und aus dieser Sicht erklärt. Störungen im sprachlichen Bereich, im (Wieder-)erwerb von Kulturtechniken oder  Schwierigkeiten, die eine sinnvolle Bewältigung des Alltags nicht (mehr) zulassen, werden als Ausdruck von umfassenderen Störungen interpretiert. Sie werden als Störungen der zentralen Organisation der Wahrnehmung bezeichnet, wobei im Mittelpunkt Störungen der taktil-kinästhetischen, intermodalen oder serialen Wahrnehmung stehen.

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