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E-News wahrnehmung.ch Nr. 2 / 2019.

Persönlich.

Im Portrait: Prof. Dr. phil. Andrea Haid

«Wir zeigen die breite Palette von Therapiemöglichkeiten – auch das Affolter-Modell®»

Andrea Haid, Rektorin der Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach, SHLR

Kein Zweifel: Andrea Haid ist eine dynamische Frau, das steht schon wenige Minuten nach der Begrüssung fest. Sie spricht begeistert von ihrer Arbeit als Rektorin und dem Auftrag der SHLR. Sie tut dies im selben flotten Tempo, wie sie Kaffee offeriert, Wasser einschenkt und sich versichert, dass sich der Gast auch tatsächlich wohlfühlt. Dynamisch – aber nie hektisch.

Lange Einführungsworte zur Stiftung wahrnehmung.ch braucht es nicht: «Ich war letztens an der Florastrasse und nahm die Prüfung einer Studentin ab, die dort ihr Praktikum machte.»

Die Stiftung ist also bekannt. Aber inwieweit vermittelt die SHLR ihren Studierenden das Affolter-Modell®? Und was sagt Andrea Haid persönlich zu dieser Therapiemethode? Dazu später mehr.

Erst einmal geht es um ihre Person: Die Vorarlbergerin leitet seit August 2017 als Rektorin die Geschicke der SHLR. Ein Jahr zuvor, im Sommer 2016, rang sie mit sich, ob sie sich überhaupt für die Stelle bewerben sollte. Die Herausforderung reizte sie zwar, es schien aber auch einiges dagegenzusprechen: 33-jährig, weiblich, Ausländerin – sie räumte sich damals wenig Chancen ein. «Trotzdem habe ich mich beworben und hier bin ich.»

Omas Schlaganfall und der elterliche Rat

Andrea Haid war 18 Jahre alt, hatte die Maturität hinter sich, aber wenig vor sich. Die berufliche Zukunft war ungewiss. Zwischen all ihre Ideen und Möglichkeiten mischte sich Unentschlossenheit. Genau in dieser Such- und Findungsphase hatte ihre Oma einen Schlaganfall und konnte als Folge davon nicht mehr sprechen. Das bewegte die junge Frau sehr. Das spürten auch ihre Eltern, die sie schliesslich auf die Idee brachten, sich mit Sprachstörungen zu befassen und Logopädie zu studieren.

Ein erstes Praktikum in der Schweiz, ein weiteres Studium

Gesagt, getan. Andrea Haid immatrikulierte an der Akademie für den logopädisch-phoniatrisch-audiologischen Dienst in Ried im Innkreis. Während der Ausbildung wurde sie ein erstes Mal auf das Affolter-Modell® aufmerksam. Allerdings nur in der Theorie, zur Umsetzung kam es nicht, auch nicht in einem Praktikum, das sie an der Sprachheilschule St. Gallen absolvierte. Bis zur nächsten Begegnung mit diesem Modell sollte es noch einige Jahre dauern…

Rückblickend auf die Ausbildung in Ried meint sie heute: «Der Praxisbezug wird grossgeschrieben. Hingegen gingen für mich persönlich die theoretischen Grundlagen zu wenig in die Tiefe.»

Und wieder spielten die Eltern eine entscheidende Rolle

Die Theorielücke wollte Andrea Haid damals mit weiteren Ausbildungen schliessen.

Nachdem sie das Diplom als Logopädin in der Tasche hatte, arbeitete sie vier Tage die Woche im Landeskrankenhaus in Feldkirch. Dienstags traf man sie jeweils in Innsbruck, wo sie Linguistik studierte. Auf die Dauer war das aber nicht zu machen. Andrea Haid wechselte nach Wien und widmete sich dem Magisterstudium Linguistik mit Schwerpunkt Grammatiktheorie. Diesen Schritt verdankt sie wiederum ihren Eltern. «Sie haben uns Kindern immer gesagt: ‹Lernt, was ihr wollt und so viel ihr mögt. Wir unterstützen euch dabei.›» Ganz von der Arbeitswelt verabschiedete sich die junge Studentin während der Zeit in Wien trotzdem nicht und arbeitete nebenher in einer Logopädiepraxis.

Die Doktorandin auf den Skiern

Nach drei Jahren machte sie sich an ihre Doktorarbeit, in der sie sich mit den sprachlichen Auffälligkeiten von Kindern mit Vorarlberger Dialekt befasste. Sie kehrte in ihre Heimat zurück und begann mit der Feldforschung. Zusätzlich nahm sie einen Job als Skilehrerin in Lech am Arlberg an und war am selben Ort als Logopädin unterwegs. Will heissen: Sobald sie sich nachmittags von ihren Skischülern verabschiedet hatte, therapierte sie in Lech Kinder von Hoteliers. So mussten die Eltern ihre Kinder in der hektischen Hauptsaison nicht in eine Logopädiepraxis fahren. Andrea Haid strahlt, während sie von dieser intensiven Zeit erzählt als junge Doktorandin, Skilehrerin und Logopädin. Sie scheint damals wie heute tatsächlich mit mehr Energie gesegnet zu sein als manche anderen.

So wundert es auch nicht, dass sie – kaum hatte sie ihre Doktorarbeit eingereicht – in Bludenz eine eigene Praxis eröffnete.

Gesucht: Lehrauftrag. Gefunden: Forschungsauftrag

Die Arbeit in der Praxis machte ihr Spass. Aber: «Ich wollte meine Logopädieerfahrung und die Erkenntnisse aus meinem Studium beruflich zusammenbringen.» Ein Lehrauftrag an der SHLR schien ihr das Richtige zu sein. Die Blindbewerbung im Herbst 2010 brachte ihr zwar vorerst keinen Lehrauftrag, aber sie wurde als Leiterin der Abteilung Forschung und Entwicklung in einem Teilzeitpensum angestellt. Die Arbeit machte ihr Spass, die Ergänzung zur eigenen Praxis war ideal. In den darauffolgenden Jahren veränderten sich jedoch ihre Aufgaben an der SHLR ständig. Der gewünschte Lehrauftrag kam dazu und entsprechend wuchs ihr Arbeitspensum. Im September 2015, zwei Wochen bevor ihr Sohn zur Welt kam, gab sie ihre Praxis in Bludenz auf und konzentrierte sich anschliessend beruflich ganz auf die SHLR. Dass sie zwei Jahre später die Hochschule leiten würde, daran hatte sie damals nicht im Traum gedacht.

Prof. Dr. phil. Andrea Haid, Rektorin der Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach

Prof. Dr. phil. Andrea Haid, Rektorin der Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach

Nahe an den Studierenden, nahe an der Praxis

Jetzt sitzt sie am runden Tisch im Rektoratsbüro. Hier leitet sie Sitzungen, führt Gespräche mit Studierenden und Lehrpersonen, widmet sich Koordinationsaufgaben und kümmert sich um administrative Belange. Nebst all diesen Aufgaben ist ihr eines wichtig: «Ich will den Bezug zu den Studierenden und ihrem Unterricht aufrechterhalten. Deshalb unterrichte ich unter anderem Therapie bei grammatischen Störungen und bin als Mentorin für eine Mentoratsgruppe, bestehend aus fünf Studierenden, zuständig.»

In dieser Funktion nimmt sie unter anderem Prüfungen ab, wie eben kürzlich bei einer Studentin, die ihr Praktikum bei wahrnehmung.ch absolvierte.

Das Affolter-Modell® – eines unter vielen?

Welchen Stellenwert haben Wahrnehmungsbeeinträchtigungen bei Kindern im SHRL-Studium? Im 5. Semester wird das Modul «Sprach-, Sprech- und Kommunikationsstörungen bei Wahrnehmungsstörungen» angeboten. «Hier geht es um den Aspekt der Logopädie im Kontext der Wahrnehmungsstörungen», erklärt Andrea Haid. «Die Aufgabe der Hochschule ist es, den Studierenden eine breite Palette an Therapien und Möglichkeiten aufzuzeigen, auch bei Wahrnehmungsbeeinträchtigungen. Das Affolter-Modell® ist Teil dieser Vielfalt.» Wie damals während ihrer eigenen Ausbildung zur diplomierten Logopädin geht es in diesem Modul um die Theorie. «Die Praxis erleben einzig diejenigen, die bei der Stiftung wahrnehmung.ch einen Praktikumsplatz bekommen.»

Diese Person bringt Erfahrungen und Fragestellungen mit in die Mentoratsgruppe und zeigt Aufnahmen von Therapiestunden. Anschliessend werden in der Gruppe das therapeutische Verhalten sowie die Möglichkeiten und Grenzen dieser Methode diskutiert.

Die Einzigartigkeit des Affolter-Modells®

Und was sagt die SHLR-Rektorin selbst zur Therapiemethode des Affolter-Modells®? «Die Art der Kommunikation durch Führen ist sicher einzigartig», meint Andrea Haid. «Alles wird gemeinsam gemacht, sodass ein Kind mit einer Wahrnehmungsbeeinträchtigung die Quelle der Information finden und Begriffe effektiv begreifen kann.» Für Haid ist klar, dass es eine intensive Einarbeitung braucht, um mit dieser Therapiemethode zu arbeiten. «Die Anleitung durch Fachpersonen ist essenziell – und diese Fachpersonen finden wir bei der Stiftung wahrnehmung.ch. Dank dem Praktikumsplatz, den sie unseren Studierenden anbietet, bleiben wir verbunden.»

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Prof. Dr. phil. Andrea Haid ist seit dem 1. August 2017 Rektorin der SHLR. Die diplomierte Logopädin promovierte an der Universität Wien in Linguistik und war Leiterin der Abteilung

Forschung und Entwicklung sowie Stellvertreterin des Rektors und Dozentin an der SHLR.

Andrea Haid ist Mutter eines 3-jährigen Sohnes und lebt mit ihrer Familie in Mäder (A). Sie liebt die Natur und ist in ihrer Freizeit meistens in Bewegung – auf dem Fahrrad, mit den Laufschuhen oder auf den Skiern.

Lehrreich.

Affolter-Modell®

Weiterführender Kurs – APW-anerkannt

St. Gallen, 15. – 19. Juli 2019

In diesem Kurs geht es darum, Aspekte der Entwicklung der gespürten Interaktion in Bezug zur Entwicklung des Körperschemas zu betrachten.

Referenten, Termine, Ort, Kosten, Anmeldung: Hier erfahren Sie alles.

 

WESUK-Schulung

Eine Informationsveranstaltung zu «Wahrnehmungsprobleme früh wahrnehmen» 

St. Gallen, 16. November 2019

Das Screening WESUK (Wahrnehmungsprobleme: Erfassung von Säuglingen und Kleinkindern) wurde von der Stiftung wahrnehmung.ch entwickelt. Es ermöglicht, mit gezielter Beobachtung und Befragung der Eltern Risikokinder vor dem dritten Lebensjahr zu erkennen.

Referenten, Termine, Ort, Kosten, Anmeldung: Hier erfahren Sie alles.

 

Eltern-Treff

«Autismus im Vorschulalter»

Referat und anschliessende Diskussion zum Thema «Die Tücken des Alltags – Hilfe bei Wahrnehmungsproblemen – Einblicke in die gespürte Interaktionstherapie (Affolter-Modell®

visoparents schweiz, Dübendorf, 7. November 2019

Eltern-Treff «Autismus im Vorschulalter»«Die Tücken des Alltags – Hilfe bei Wahrnehmungsproblemen – Einblicke in die gespürte Interaktionstherapie (Affolter-Modell®)»

Sabine Augstein geht in ihrem Referat auf folgende Fragen ein: Wie zeigen sich Wahrnehmungsprobleme im Alltag? Welche Unterstützung ist hilfreich? Mit anschliessender Diskussion

Dübendorf, 7. November 2019

 

Affolter-Tag in Innsbruck

Thema: «Der Alltag und seine Tücken – das Affolter-Modell® in der Anwendung»

9. November 2019

Mehr Informationen

Sabine Augstein referiert zum Thema «Einblicke in die gespürte Interaktionstherapie (Affolter-Modell®): Wie können Menschen mit Autismus und/oder Wahrnehmungsproblemen beim Lernen sinnvoll unterstützt werden?»

Innsbruck, 9. November 2019

Mehr Informationen

 

TAU – autismusspezifische Elternbildung

Ein hilfreicher Kurs für Familie mit Kindern bis ca. 18 Jahren aus dem ganzen Autismusspektrum.

Kursbeginn: Januar 2020

Mehr Informationen

Hintergründig.

Probleme der Begriffsentwicklung

Von Félicie Affolter, erschienen in «Heilpädagogische Werkblätter 37», 1968

Eine Erfahrung in den USA brachte Félicie Affolter dazu, sich intensiver mit der Problematik der Begriffsentwicklung auseinanderzusetzen: Sie wunderte sich über die umfangreichen Stoffpläne, die ihr in Gehörlosenschulen gezeigt wurden. Sie tat ihre Verwunderung kund und die Antwort darauf war, dass die Schülerinnen und Schüler gleich viel Wissen erlangen müssten wie hörende Kinder. Die Sätze würden aber vereinfacht, so dass die Kinder sie gut auswendig lernen könnten.

Kern dieser Aussage: Man ging davon aus, dass Kinder, die einen Satz auswendig gelernt hatten, ihn auch verstehen würden.

Félicie Affolter bezweifelte, dass diese Annahme stimmt. Geschieht Begriffsbildung tatsächlich so einfach? Und wenn nicht – wie dann?

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Jahresbericht 2018

Was die Stiftung im vergangenen Jahr erlebt und was sie bewegt hat – Sie finden alles im Jahresbericht 2018

Jahresbericht als PDF

 

Anerkennung unserer Stiftung für «Logopädie im Vorschulalter»

Im Zusammenhang mit dem neuen Sonderschulkonzept hat der Kanton St. Gallen neu festgelegt, welche Durchführungsstellen für den Bereich «Logopädie im Vorschulalter» anerkannt werden.

Wir freuen uns sehr, mit dieser Anerkennung auch in Zukunft in diesem Bereich für die Kinder im Kanton tätig zu sein. Seit nunmehr über vierzig Jahren fördert die Stiftung wahrnehmung.ch Kinder mit «schweren Sprachgebrechen», wie es in der Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1976 heisst. Diese Sprachentwicklungsstörungen stehen häufig im Zusammenhang mit Problemen in der Wahrnehmung und/oder einer Diagnose im Autismusspektrum. Unser Team mit Fachpersonen aus den Bereichen Psychologie, Logopädie und Heil- und Sonderpädagogik hat sich auf die Unterstützung der so betroffenen Kinder spezialisiert und fördert sie sowohl in der Sprache und Kommunikation als auch in der Alltagsbewältigung.

 

Arbeiten bei der Stiftung wahrnehmung.ch

Zur Ergänzung unseres interdisziplinären Teams suchen wir nach Vereinbarung

eine/einen Logopädin/Logopäden

Interessiert? Dann schauen Sie sich das Stelleninserat genauer an und wenden Sie sich für weitere Auskünfte an Adrian Hofer: 071 222 02 34, adrian.hofer@wahrnehmung.ch

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